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Olympia für alle? - Paralympics 3
10.04.2003
Die Paralympics haben keine so lange Geschichte wie die Olympischen Spiele. Es ist vor allem das Verdienst eines britischen Neurologen, dass Sportspiele für Behinderte eingerichtet wurden. Dieser Neurologe namens Sir Ludwig Guttmann (den Titel trägt er, weil er für seine besonderen Verdienste für die Rehabilitation und den Behindertensport geadelt wurde) erkannte die positive Wirkung des Rollstuhlsports bei der Rehabilitation und integrierte diesen Sport seit 1944 in sein Programm in einem Armeehospital in Stoke Mandeville. Sport diente in seinem Programm drei Zielen. Erstens unterstützte der Sport die Heilung von Patienten ähnlich wie die Krankengymnastik; zweitens war der Sport für die Wiederherstellung des psychischen Gleichgewichts wichtig, die Patienten kamen besser mit ihrem körperlichen Defekt zurecht; und drittens ermöglichte der Sport die Reintegration in die Gesellschaft, da durch den Sport schneller Kontakte zu anderen Menschen aufgebaut werden konnten.

1948 wurden dann zeitgleich zu den Olympischen Spielen in London die Spiele von Stoke Mandeville eröffnet, an dem 16 ehemalige Angehörige der britischen Armee teilnahmen. Die Spiele waren ein großer Erfolg, da der Öffentlichkeit gezeigt werden konnte, dass auch Menschen mit Querschnittslähmungen Leistungssport betreiben können. Die Spiele von Stoke Mandeville fanden daraufhin alle vier Jahre statt, mit steigenden Teilnehmerzahlen und bereits 1952 mit internationaler Beteiligung. Das Symbol dieser Spiele waren drei miteinander verbundene Rollstuhlräder, die für Freundschaft, Einigkeit und Sportgeist standen.

Die Spiele in Stoke Mandeville fanden bis 1960 regelmäßig alle vier Jahre statt: 1964 gründete Guttmann die International Sports Organization for the Disabled (ISOD), die zusammen mit der 1948 gegründeten International Stoke Mandeville Games Federation for Paralysed (ISMGF) die Spiele in Tokio ausrichtete. Diese Spiele waren bereits die zweiten im Anschluss an Olympische Spiele, die ersten fanden 1960 in Rom statt. Winter-Paralympics finden seit 1976 regelmäßig statt.

Seitdem ist die Zahl der teilnehmenden Athleten und der Sportarten stetig gestiegen, bei den Paralympics in Sydney 2000 waren 14 Sportarten olympisch, über 3800 Sportler nahmen teil.

 
schneller als auf zwei Beinen
1989 wurde das International Paralympic Committee gegründet, das sich unter anderem für die unumschränkte Unterstützung der Integration von Behindertenwettkämpfen in Weltmeisterschaften und Olympische Spiele der Nichtbehinderten engagiert. Dieser Punkt ist noch umstritten. Die Paralympics dürfen z.B. nicht die fünf Ringe als Symbol verwenden, sondern ein anderes Symbol, das sich an die Spiele von Stoke Mandeville anlehnt und drei Tropfen in den Farben Rot, Grün und Blau zeigt.

Die Paralympics von Sydney 2000 waren die bisher erfolgreichsten Spiele für behinderte Sportler, allerdings auch mit Schwierigkeiten, was z.B. die Integration von Menschen mit geistiger Behinderung angeht. Es bleibt zu wünschen, dass die Paralympics vollständig in die Olympischen Spiele integriert werden. Zumindest wurde vereinbart, dass die Organisation der Paralympics ab 2008 am gleichen Ort umgesetzt wird wie die Olympischen Spiele.


Quelle:

Manfred Wegner: "Die Paralympics - ´Sport für alle´ auch für Menschen mit Behinderung". In: Kaulitz, Birte; Herbert Haag (Hg.): Olympische Idee - Olympische Bewegung - Olympische Spiele. Dimensionen und Perspektiven. Kiel: Institut für Sport und Sportwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Kieler Schriften zur Sportwissenschaft) 2001, S. 84-96.
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