Auch wenn der Amateurparagraph erst 1981 abgeschafft wurde, so begann die Diskussion um den Sinn dieser Regelung schon sehr früh. Der sicherlich meist diskutierte Fall eines "Opfers" der Amateurregel war der Athlet James Thorpe, der während der Spiele in Stockholm 1912 die Goldmedaillen im Fünfkampf und im Zehnkampf gewann, woraufhin er vom schwedischen König, der ihm die Medaillen überreichte, als der "größte Athlet der Welt" bezeichnet wurde. Ein Jahr später jedoch wurde bekannt, dass Thorpe als Baseballspieler eine Zeit lang mit 15 Dollar pro Woche bezahlt worden war. Das IOC machte dies zum Anlass, ein Exempel an Thorpe für zukünftige Verstöße gegen die Amateurregel zu statuieren; man aberkannte Thorpe die Medaillen, seine Erfolge wurden aus den Ergebnislisten gestrichen.
Jahre später galt Thorpe als einer der größten Sportler der USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, viele protestierten gegen die Entscheidung des IOC, doch dessen Präsident Avery Brundage blieb aus Prinzip bei der Aberkennung von Thorpes Medaillen.
Erst 1973 lockerte das IOC die Zulassungsregeln, auch wenn Profisportler noch ausgeschlossen wurden. 1982 schließlich wurden die Siege von Thorpe wieder in die offiziellen Ergebnislisten wieder aufgenommen. Ein Jahr später wurden seine Goldmedaillen, oder vielmehr Repliken davon, an Thorpes Nachfahren übergeben. Thorpe selbst war bereits dreißig Jahre vorher, 1953, gestorben.
Quellen:
Kaulitz, Birte: " Olympische Erinnerungen und olympische Zukunft. Sydney 2000 - Spiele im Sinne Pierre de Coubertins?" In: Kaulitz, Birte; Herbert Haag (Hg.): Olympische Idee - Olympische Bewegung - Olympische Spiele. Dimensionen und Perspektiven. Kiel: Institut für Sport und Sportwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Kieler Schriften zur Sportwissenschaft) 2001, S. 24-45.
Weeber, Karl-Wilhelm: Die unheiligen Spiele. Das antike Olympia zwischen Legende und Wirklichkeit. Zürich: München: Artemis & Winkler 1991.
Young, David C.: "How the Amateurs Won the Olympics.” In: Raschke, Wendy J. (Hg.): The Archaeology of the Olympics. Wisconsin: The University of Wisconsin Press 1988, S. 55-75.
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